Wir arbeiten für Ihr Investment

Union Investment Committee mit konstruktivem Blick auf die Märkte

Verbesserte Marktstimmung trotz unveränderter Herausforderungen

  • Abnehmende Wachstumsdynamik, erhöhte Inflation und knappe Vorprodukte bleiben zentrale Faktoren für die Kapitalmärkte
  • Erste Signale für Entspannung in den globalen Lieferketten und positiver Auftakt in die Unternehmensberichtssaison
  • UIC bestätigt die Mitte Oktober angehobene moderat-offensiv Risikoausrichtung (RoRo-Meter 4)

„RoRo“-Meter 4 bestätigt, Risikoausrichtung bleibt moderat-offensiv

RoRo-Meter bleibt auf 4

Auf seiner turnusmäßigen Sitzung im Oktober hat das Union Investment Committee (UIC) seine Mitte Oktober angehobene moderat-offensive Risikoausrichtung (RoRo-Meter 4) bestätigt. Am Musterportfolio wurden ebenfalls keine Änderungen vorgenommen, nachdem zuvor im Monatsverlauf Übergewichtungen bei Aktien und Edelmetallen erhöht bzw. neu eingegangen worden waren. Zudem war das Untergewicht in US-Staatsanleihen verringert worden durch Abschmelzen der Absolute-Return- und Kasseposition. Hintergrund für die Schritte war die Mischung aus guten Unternehmensberichten zum Auftakt der Berichtssaison und Rücksetzern an den Märkten gewesen.

Die Kapitalmarktperspektiven sind nach Einschätzung des UIC aussichtsreich, auch wenn das Umfeld nicht frei von Herausforderungen ist. Die Weltwirtschaft bleibt von einer abnehmenden Wachstumsdynamik gekennzeichnet, die auch durch Verspannungen in den globalen Lieferketten begründet ist. Dies wirkt in vielen Fällen kurzfristig preistreibend und führt in Verbindung mit Basiseffekten zu einer stark erhöhten Inflation, die aber die unterliegende Preisdynamik überzeichnet. Das Zurückfahren der Anleihekäufe (Tapering) durch die Federal Reserve (Fed) rückt näher und wird auch bei den wichtigsten Zentralbanken das Ende der ultralockeren Geldpolitik einläuten. In China ist neben der Wachstumsschwäche und der verschärften Regulierungsmaßnahmen die Krise um den Immobilienentwickler Evergrande noch immer nicht überwunden.

Dazu führt die jahreszeitlich bedingte herbstliche Abkühlung auf der Nordhalbkugel zu steigenden Corona-Neuinfektionen, jüngst vor allem in Europa. Aber: Durch die Impfkampagnen ist die Lage vor dem zweiten Corona-Winter entspannter als Ende 2020, da dadurch schwere Krankheitsverläufe weniger häufig auftreten. Daraus leitet sich die Erwartung ab, dass in den wichtigsten Wirtschaftsräumen harte Eindämmungsmaßnahmen (Lockdowns) weitgehend vermieden werden können und somit das Wachstum weniger belastet wird.

Auch bei den weltweiten Lieferengpässen waren zuletzt erste Entspannungssignale zu verzeichnen. Die Anzahl der vor dem wichtigsten Hafen an der US-Westküste in Los Angeles wartenden Containerschiffe sinkt seit mehreren Wochen und auch in Shanghai hat sich der Stau nahezu halbiert. In der Folge sind die Frachtraten pro Container für Lieferungen von China in die USA jüngst gefallen. Der Wirtschaftszyklus bleibt damit intakt und rechtfertigt trotz vorhandener Herausforderungen eine moderat-offensive Positionierung.

Konjunktur, Wachstum, Inflation

Die Frühindikatoren, wie die jüngst veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes und der ifo-Geschäftsklimaindex, spiegeln unverändert die Verlangsamung der globalen Wachstumsdynamik wider. Sorgen bereiteten in Europa zuletzt vor allem die stark gestiegenen Energiepreise, die nach Einschätzung der Volkswirte von Union Investment zwar den Aufschwung etwas abbremsen sollten, ihn aber nicht beenden werden. Stärker als die Energiepreise belasten in den verbleibenden Monaten des Jahres unverändert die Angebotsengpässe die Konjunktur. Vor diesem Hintergrund hat Union Investment die Wachstumsprognosen für die Industrieländern leicht abwärts revidiert (USA auf 5,6 Prozent für 2021 und 4,2 Prozent für 2022; Euroraum auf 5,1 Prozent für 2021 und 4,7 Prozent für 2022).

Nach Einschätzung von Union Investment führt der starke Anstieg der Gaspreise zu nochmals höheren Inflationsraten über den Winter. Demnach wurden die Inflationsprognosen für die nächsten zwölf Monate nochmals auf breiter Basis nach oben angehoben. So rechnet Union Investment mit einem Preisanstieg von 2,4 Prozent für 2021 bzw. 2,1 Prozent im Folgejahr im Euroraum sowie mit 4,3 Prozent für 2021 bzw. 2,8 Prozent im Jahr darauf in den USA. Von starken Zweitrundeneffekten der höheren Energiepreise wird nicht ausgegangen, weshalb die Inflationserwartungen in der mittleren Frist weiterhin verankert bleiben sollten. Zudem ist nach wie vor kein nennenswerter Auftrieb bei den Löhnen zu erkennen. Insbesondere in Europa bleibt eine Lohn-Preis-Spirale, die die Geldpolitik zu einem deutlich schneller als gedachten Eingreifen veranlassen würde, unverändert unwahrscheinlich.

Geldpolitik: Fed wird Tapering im November ankündigen

Die Notenbanken sind bestrebt, in den Normalmodus zurückzufinden, auch wenn der Weg bis zur ersten Zinserhöhung vielerorts noch weit entfernt ist. Mit Blick auf die Fed und die Europäische Zentralbank (EZB) hat sich die Einschätzung von Union Investment kaum verändert. Die Tapering-Ankündigung der Fed im November scheint inzwischen ausgemacht. Ein Ende des Tapering zur Jahresmitte 2022 dürfte den Weg für einen Zinsschritt Anfang 2023 freimachen. Auch dass die EZB im Dezember das Ende des Notfallankaufprogramms beschließen wird, ist absehbar. Union Investment geht unverändert davon aus, dass im Sinne eines geschmeidigen Übergangs die Käufe in anderen Programmen zeitlich begrenzt etwas erhöht werden. Ein Zinsschritt liegt jedoch unverändert in weiter Ferne. Dies gilt hingegen immer weniger für die Bank of England, die sich zuletzt überraschend falkenhaft präsentierte. Entgegen der Markterwartung eines Zinsschritts bei der kommenden Zentralbanksitzung am 4. November könnte erst im Februar 2022 eine erste Leitzinserhöhung in Großbritannien folgen.

Produktion leidet unter Lieferengpässen – erste Entspannung im Pazifik

  • Europa: Fehlende Ausrüstung begrenzt Produktion

    Unternehmensumfrage nach limitierenden Faktoren der EU-Kommission

    Europa: Fehlende Ausrüstung begrenzt Produktion
    Quelle: Macrobond, Bloomberg, Union Investment; Stand: 27. Oktober 2021.
  • Frachtraten im China-US-Handel mit erstem Rückgang

    WCI Shanghai to Los Angeles Container Freight Benchmark Rate in US-Dollar*

    Frachtraten im China-US-Handel mit erstem Rückgang
    Quelle: Macrobond, Bloomberg, Union Investment; Stand: 27. Oktober 2021. * per 40 Fuß Container.

Positionierung innerhalb der Asset-Klassen

Renten: Inflationsentwicklung bleibt der Dreh- und Angelpunkt

Der Trend zu höheren Renditen bei sicheren Staatsanleihen hat sich im Oktober unvermindert fortgesetzt. Zehnjährige Bundesanleihen erreichten mit -0,087 Prozent den höchsten Wert seit Mai 2019. Die große Frage für die Rentenmärkte ist weiterhin, ob der rapide Inflationsanstieg seit Jahresbeginn vorübergehend oder permanent ist. Die jüngste Renditeentwicklung spiegelt die Angst der Marktteilnehmer vor letzterem Szenario wider, war sie doch von steigenden Breakeven-Raten und sinkenden Realrenditen gekennzeichnet. Die Konjunkturdaten liefern zur Beantwortung der Frage „vorübergehender versus permanenter Inflationsanstieg“ unverändert kein einheitliches Bild. Union Investment geht weiterhin davon aus, dass in Summe die derzeit vor allem aufgrund von Basiseffekten und Knappheiten hohen Inflationsraten im kommenden Jahr wieder absinken dürften. Die Renditeaufschläge (Spreads) von Peripherie- und Unternehmensanleihen (Investment Grade) entwickelten sich in den letzten Wochen seitwärts und das Potenzial für sinkende Spreads ist äußerst begrenzt. Etwas mehr Chancen finden sich bei Hochzins- und Emerging Markets-Anleihen, bei gleichzeitig aber auch höheren Risiken.

Aktien: Werte aus den Industrieländern unverändert favorisiert

Die Aktienmärkte konnten sich zuletzt von den unveränderten Umfeldfaktoren, wie der schwachen globalen Wachstumsdynamik, den Verspannungen in den weltweiten Lieferketten und dem hohen Inflationsniveau, abkoppeln. Auch die jüngsten Entwicklungen bei den Corona-Neuinfektionen – neue Ausbrüche im Norden Chinas und deutlich steigende Fallzahlen in Europa – ließen die Marktteilnehmer kalt. Mit einem überzeugenden Auftakt der Unternehmensberichtsaison für das dritte Quartal fassten die Aktienmärkte nach dem Rücksetzer im September wieder Tritt. Die US-Indizes stiegen bereits wieder auf neue Allzeithochs. Um dieser Entwicklung Rechnung zu tragen, wurde die Position in Werten aus den Industrieländern im Verlauf des Oktobers in zwei Schritten angehoben. Auch Aktien aus den Schwellenländern konnten zuletzt die Belastungsfaktoren der Vormonate abschütteln und sich erholen. Für eine generelle Entwarnung ist es jedoch noch zu früh. Einerseits werden die Regulierungsmaßnahmen der chinesischen Regierung zu einem längerfristigen generellen Bewertungsabschlag bei den betroffenen Unternehmen führen. Andererseits ist im Rahmen der chinesischen Zero-Covid-Strategie kurzfristig mit neuerlichen harten Lockdowns als Reaktion auf die jüngsten Corona-Ausbrüche zu rechnen.

Rohstoffe: Nachholpotenzial bei den Edelmetallpreisen

Der starke Anstieg der Energiepreise hat sich in den vergangenen Wochen fortgesetzt. Die Nachfrage nach Öl, Gas und Strom ist unverändert hoch und das globale Angebot reicht aktuell nicht aus, diese zu decken. Zwar steigern die US-Schieferölproduzenten ihre Produktion, die OPEC+ bleibt aber bislang bei Ihrem Fahrplan von einem monatlichen Angebotsplus von 400.000 Barrel pro Tag. Demnach entspannt sich die Angebots-Nachfrage-Situation nur langsam.

Die hohen Energiepreise haben in den vergangenen Wochen dazu geführt, dass einige Rohstoffproduzenten energieintensive Produktionsanlagen im Bereich der Industriemetalle heruntergefahren haben. Nach der Preiskorrektur Ende des dritten Quartals zogen die Metallpreise im Oktober unter anderem deshalb wieder stark an. Union Investment favorisiert Edelmetalle, die den Kurssprung der anderen Rohstoffsegmente bislang nur leicht nachvollzogen haben. Gold ist im Vergleich zum US-Realzins unterbewertet, die Investorenpositionierung ist unterdurchschnittlich. Platin und Palladium bleiben im Edelmetallsektor aufgrund der Abhängigkeit vom Automobilsektors die „wild cards“, wenn sich der Produktionsstau aufgrund der Lieferkettenprobleme bei Mikrochips sukzessive auflösen sollte.

Währungen: Keine Positionierung wegen gegensätzlicher Effekte

Die Debatte über die Reduzierung der Anleiheankäufe der Fed hat dem US-Dollar seit Beginn des Sommers ebenso deutlich Rückenwind verliehen wie die sich global abschwächende Wachstumsdynamik für den Euro ein Gegenwind war. Bezüglich der Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik ist die Fed der EZB um einige Monate voraus. Dadurch ist der US-Dollar gegenüber dem Euro prinzipiell auch weiter unterstützt. Durch die Aufwertung der letzten Monate ist die Investorenpositionierung aber relativ einseitig pro-Dollar, sodass weitere Anstiege kurzfristig eher schwierig werden. Die Anhebung der Schuldenobergrenze ist auf Dezember verschoben und könnte dann zu einem Belastungsfaktor für den Greenback werden, wenn eine Einigung nicht oder nur schwierig zu erreichen sein sollte.

Das Pfund Sterling profitierte zuletzt von den gestiegenen Markterwartungen auf eine baldige Zinserhöhung der Bank of England, obwohl sich diese bislang dazu eher zurückhaltend äußerte. Zudem werden zunehmend die negativen Auswirkungen des Brexits, wie etwa der Mangel an LKW-Fahrern und in der Folge leere Regale in Supermärkten und fehlende Treibstoffe an Tankstellen, sichtbar. Aufgrund der sich überlagernden, gegensätzlichen Effekte sieht Union Investment aktuell von einer Positionierung im Währungsbereich ab.

Wandelanleihen: Auf Erholungskurs

Nach dem starken Rückgang der Märkte zum Monatswechsel konnten Wandelanleihen zuletzt an der Erholung der Aktienmärkte partizipieren. Am dynamischsten war der Markt in den USA, aber auch die Wandelanleihen in Asien ex Japan konnten sich insgesamt gut entwickeln. Infolgedessen erhöhte sich die durchschnittliche Aktienmarktsensitivität auf 51 Prozent. Die Bewertungen sind seit Monatsanfang deutlich gestiegen, liegen aber insbesondere in Asien ex Japan noch im günstig bis fairen Bereich. Infolge der angelaufenen Berichtssaison gab es nur wenig Neuemissionstätigkeit. Außerdem haben sich bereits viele Unternehmen im ersten Halbjahr über Neuemissionen finanziert.

Unsere Positionierung

Unsere Positionierung
Stand: 28. Oktober 2021.

 

Stand aller Informationen und Darstellungen:
28. Oktober 2021, soweit nicht anders angegeben.

Das könnte Sie auch interessieren:

Neues von den Märkten

Neues von den Märkten: Oktober 2021

Konjunktur, Wachstum, Inflation und Geldpolitik – der Monatsbericht „Neues von den Märkten“ informiert Sie über aktuelle Entwicklungen und macht Sie mit unseren Einschätzungen vertraut. Erhalten Sie zudem einen umfangreichen Rück- und Ausblick auf relevante Asset-Klassen.
(Stand: 28. September 2021)