US-Berichtssaison: Zurück zur Normalität

Die Berichtssaison zum vierten Quartal 2018 hat in den USA einen guten Anfang genommen. Vielen Unternehmen ist es gelungen, die aufgrund der global höheren Risikoaversion etwas zurückgenommenen Analystenerwartungen zu schlagen. Die Impulse aus der US-Steuerreform lassen sukzessive nach. Daher könnten die Gewinnerwartungen für das Gesamtjahr 2019 aktuell noch etwas zu ambitioniert sein

Die US-Aktienmärkte sind positiv in das Jahr 2019 gestartet. Die wichtigsten US-Indizes – der S&P 500, der Dow Jones Industrial Average und der Nasdaq Composite – legten im Januar 7,9, 7,2 bzw. 9,7 Prozent zu (Stand: 01.02.2019) und konnten somit einen guten Teil der Verluste aus den letzten Wochen des Jahres 2018 wieder wettmachen. In der historischen Betrachtung war dies für die drei Indizes der beste Januar seit 1987 (S&P 500), seit 1989 (Dow Jones) respektive 2001 (Nasdaq). Was war der Haupttreiber der Rally? Im Zentrum standen die Aussagen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) Anfang Januar, die von ihrem bisherigen Mantra „Geldpolitik auf Autopilot“ mit jeweils einer Zinserhöhung von 25 Basispunkten pro Quartal abrückte und für 2019 mehr auf die wirtschaftlichen Daten und die Kapitalmärkte schauen möchte. Fed-Präsident Jerome Powell hat dies nach der Notenbanksitzung am vergangenen Mittwoch nochmals bekräftigt. Die Marktteilnehmer interpretierten die Aussagen als „soft put“ der Fed, das heißt im Falle schwächerer Konjunkturdaten und/oder schwächerer Kapitalmärkte wird die Fed Zinsschritte auslassen, sodass der gesamte Leitzinspfad zukünftig flacher wird. So erwarten auch die Experten von Union Investment, dass die Fed im ersten Quartal 2019 die Zinsen nicht erhöht.

Das ist aktuell noch nicht zu erkennen. Viele Frühindikatoren – wie beispielsweise die jüngst veröffentlichten asiatischen und europäischen Einkaufsmanagerindizes – tendieren weiter zur Schwäche beziehungsweise stabilisieren sich im besten Fall auf niedrigem Niveau. Auch die US-Volkswirtschaft ist mit dem Auslaufen des Steuerreform-induzierten Zusatzschubs in einer Abkühlungsphase. Dennoch ist die Wirtschaft in den USA in einem besseren Zustand als die in Europa. Diese ist im vierten Quartal 2018 nach der gängigen Definition (zwei Quartale in Folge mit negativem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts) knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt.

Guter Auftakt der Berichtssaison für das vierte Quartal 2018

Das schwächere Wachstumsmomentum – insbesondere außerhalb der USA – bekommen auch die US-Unternehmen zu spüren. Zwar sehen die Zahlen, nachdem knapp die Hälfte der 500 Mitglieder im S&P 500-Index ihre Berichte vorgelegt haben, auf den ersten Blick nicht schlecht aus: 60,2 Prozent konnten die Umsatzerwartungen und 73,1 Prozent die Gewinnschätzungen der Analysten übertreffen. Im Vergleich zu den vorherigen Quartalen der vergangenen zwei Jahre sind das aber schwache Werte. Die Einordnung in den historischen Kontext zeigt, dass sich die Phase der deutlich über den langjährigen Durchschnittswerten liegenden Gewinnüberraschungen vorerst ihrem Ende neigen könnte. Bei den Umsätzen deutete schon das dritte Quartal 2018 den Trendwechsel an.

Rückläufige Ergebnisüberraschungen in den USA

S&P 500
Rückläufige Ergebnisüberraschungen in den USA
Quelle: Bloomberg, Union Investment. Stand: 31. Januar 2019

An den Kapitalmärkten war nach dem starken Kursverfall im vierten Quartal 2018 ein hohes Maß an Skepsis eingepreist, sodass in vielen Fällen schon das Erreichen der Analystenschätzungen – im Sinne von „es kam nicht noch schlimmer“ – eine positive Kursreaktion zur Folge hatte. War in der Vergangenheit im Durchschnitt ein dreiprozentiges Übertreffen der Gewinnerwartung nötig um eine neutrale Kursreaktion auszulösen, so führte in der laufenden Berichtssaison bislang eine Gewinnüberraschung von plus 2,3 Prozent im Mittel zu einem Kursanstieg von 1,5 Prozent. Ein gutes Beispiel hierfür sind US-Industriekonzerne, wie 3M oder General Electric. Nach einer deutlichen Kursschwäche über viele Monate hinweg legten die Aktien trotz durchwachsener Zahlen und wenig positiver Ausblicke nach den Ergebnisveröffentlichungen zu.

Dagegen leiden unter der konjunkturellen Abschwächung außerhalb der USA bereits einige global agierende US-Unternehmen spürbar. Entsprechend sind deren Daten schwach, die Ausblicke wenig ermutigend und in der Folge auch die Kursentwicklungen der Aktien negativ. Stellvertretend sind hier der Baumaschinenhersteller Caterpillar und der Chemieriese DowDuPont zu nennen. Beide berichteten von rückläufigen Umsätzen in Asien und blickten sehr zurückhaltend auf das Jahr 2019. Sorgen bereitet insbesondere China (Wachstumsschwäche, Handelskonflikt) sowie im Falle von Dow die nachlassende Nachfrage von Automobil- und Smartphone-Herstellern. Dieses Bild zeichneten auch eine Vielzahl von Chipherstellern, die in der vergangenen Woche ihre Zahlen vorlegten (beispielsweise Intel, AMD, Nvidia), sowie die Smartphone-Hersteller selbst. Auch die Zahlen des koreanischen Konzerns Samsung Electronics, der sowohl Chips als auch Smartphones produziert, bestätigen dieses Bild. In beiden Sparten hatte Samsung mit Umsatzrückgängen zu kämpfen und verzeichnete im vierten Quartal 2018 einen Gewinnrückgang von über acht Prozent. In der Folge werden die Koreaner die Ausgaben im Chipbereich noch stärker als bislang kommuniziert kürzen. Bislang sind Unternehmen mit derart vorsichtigen Ausblicken aber noch nicht die Regel.

Auch in den USA standen auf der Sektorebene erneut die Daten der großen Technologieunternehmen im Fokus, die in den vergangenen Jahren sowohl bei den Gewinnen als auch bei der Kursentwicklung den größten Beitrag auf Indexebene lieferten und deren Aktien im vierten Quartal 2018 deutlich unter Druck standen. Der iPhone-Hersteller Apple hatte Anfang Januar die Erwartungen der Analysten, insbesondere was die zukünftigen Ergebnisbeiträge des Smartphones angeht, deutlich nach unten geschraubt. Die Aktie hatte bis zum Abend nach der Gewinnwarnung knapp 40 Prozent von ihrem Hoch Anfang Oktober verloren. Mit der Vorlage der Zahlen für das vierte Quartal – die für alle anderen Produkte gut ausfielen – hat das Unternehmen auch den Pfad für die Entwicklung über das iPhone hinaus vorgezeichnet und damit die Herzen der Anleger und Analysten zurückerobert. Insbesondere mit seinen Services (besonders für die 900 Millionen iPhone-Nutzer) möchte Apple in Zukunft bei seinen Kunden punkten. Die Aktie hat sich von ihrem Tief Anfang Januar um 17 Prozent erholt.

Gemischt fielen die Berichte der drei anderen Technologiegiganten aus, die in der vergangenen Woche berichteten. Während die Facebook-Aktie mit einem Kurssprung auf die über den Erwartungen liegenden Umsätze und Gewinne reagierte, führten beim Online-Händler Amazon Verluste im internationalen Geschäft sowie Sorgen um steigende Kosten zu einem vorsichtigen Ausblick und einer entsprechend negativen Kursreaktion. Das auf Basis der Marktkapitalisierung aktuell (wieder) größte Unternehmen der Welt, der Software-Hersteller Microsoft, legte gemischte Zahlen vor – leicht unter der Umsatz-, aber etwas über der Gewinnerwartung. Gegenwind spürte Microsoft sowohl über die Währungsentwicklung als auch bei der Verfügbarkeit von Komponenten. Die Aktie gab leicht nach.

Gewinnerwartungen für 2019 dürften noch etwas zu hoch sein

Insgesamt kehrt auf der Ebene der Gewinnschätzungen in den vergangenen Wochen wieder die Normalität zurück. Dank der Trump'schen Steuerreform beziehungsweise in deren Erwartung hatten die Analysten die Schätzungen ab dem Jahr 2017 in der Mehrzahl angehoben. Dies spiegelte sich in einer über die letzten Quartale positiven Revision Ratio wider. Diese gibt an, ob die Aktienanalysten ihre Gewinnerwartungen überwiegend erhöhten oder senkten. Üblicherweise ist die Revision Ratio am Anfang eines Konjunkturzyklus positiv, da der Aufschwung erst mit der Zeit in positiveren Gewinnschätzungen reflektiert wird. Im Verlauf des Aufschwungs steigt dann der Optimismus der Analysten, sodass ihre Schätzungen in der Tendenz zu hoch sind und eher nach unten korrigiert werden müssen. Bis zu den zusätzlichen Konjunkturimpulsen von Donald Trump war dies auch in diesem Zyklus das Muster. Ab dem Frühsommer 2017 wurden die Stimuluseffekte in die Schätzungen mit eingerechnet, sodass sich die Revision Ratio für ein gutes Jahr wieder positiv war. Diese außergewöhnliche Phase ging im Herbst 2018 zu Ende. Wir befinden uns nun wieder auf einem für das aktuelle Konjunkturstadium „üblichen“ Niveau.

Revision Ratio zurück imüblichenBereich

Revision Ratio MSCI USA
Revision Ratio zurück im “üblichen” Bereich
Quelle: Thomson Reuters. Stand: 31. Januar 2019

Ebenso brach im vierten Quartal der seit Anfang 2017 anhaltende Trend kontinuierlich steigender Unternehmensgewinne. Nach den Rekordzahlen für die Sommermonate 2018 rechnen die Analysten für das Schlussquartal mit um fünf Prozent niedrigeren Gewinnen, was dennoch für das Gesamtjahr 2018 einen Gewinnanstieg von 24 Prozent bedeutet. Gründe für die geringere Dynamik sind zum einen das schwächere Wachstumsmomentum, zum anderen aber auch weiter steigende Kosten – vor allem in Form von Löhnen und Materialkosten. Für das erste Quartal 2019 gehen sie von einem anhaltend schwierigen Umfeld mit einem erneuten Gewinnrückgang in ähnlicher Höhe aus. Erst im weiteren Jahresverlauf erwarten sie mit einem sich aufhellenden Konjunkturumfeld wieder deutlich anziehende Profite. Für 2019 insgesamt wird aktuell ein Gewinnanstieg von sechs Prozent prognostiziert. Die Experten von Union Investment teilen das Wachstumsszenario, dennoch sind ihres Erachtens die Gewinnschätzungen für den Rest des Jahres 2019 noch zu hoch und dürften im weiteren Jahresverlauf noch nach unten korrigiert werden.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
04. Februar 2019, soweit nicht anders angegeben.