Auftrieb für nachhaltige Unternehmensanleihen

Die Risikoaufschläge von Unternehmensanleihen haben sich deutlich zurückgebildet. Dennoch bleibt der Markt für Investoren spannend, da sich mit dem rasanten Wachstum nachhaltiger Unternehmensanleihen neue Anlagemöglichkeiten ergeben.

Der Markt für nachhaltige Unternehmensanleihen wächst rasant. Noch größer ist aber die Nachfrage von Anlegern. Dies liegt nicht nur an regulatorischen Gründen, sondern auch an den Möglichkeiten zu größerer Streuung von Anlagen. Heute bietet der Markt für nachhaltige Anleihen zwar noch nicht die gleiche Vielfalt wie der traditionelle Unternehmensanleihe-Markt, aber doch viele Geschmacksrichtungen. So können Anleger zum Beispiel in nachhaltige Anleihen investieren, die erstrangig besichert sind, oder in nachhaltige Senior-Preferred und Non-Preferred-Anleihen im Finanzsektor sowie in Nachranganleihen. Inzwischen sind auch viele Währungsräume abgedeckt, und es gibt die Möglichkeit, die Risikoleiter über das Hochzins-Segment hochzusteigen.

Der Durchbruch für nachhaltige Unternehmensanleihen kam am 20. November 2013 mit einem Green Bond des französischen Versorgers EdF (Electricité de France). Das Beispiel zeigt, wie unterschiedlich je nach Land der Begriff „Grün“ oder „Nachhaltigkeit“ interpretiert werden kann. Bei EdF handelt es sich um ein Unternehmen, das stark in der Atomenergie aktiv ist. Bei Union Investment sind solche Anleihen daher für nachhaltige Publikumsfonds nicht investierbar. Abgesehen von der Frage, wie nachhaltig Atomkraft-Restmüll ist, gibt es auch eine betriebs- wirtschaftliche Logik dahinter: Eine Grüne Anleihe eines Unternehmens haftet gesamtschuldnerisch. Das heißt, im Falle einer möglichen Havarie eines Atomkraftwerks und der damit verbundenen Beeinträchtigung der Kreditqualität würden auch die Investoren in Grünen Anleihen des Unternehmens mit zur Kasse gebeten werden.

Nachhaltige Anleihen immer mehr gefragt

  • Markt für nachhaltige Anleihen wächst deutlich

    Markt für nachhaltige Anleihen wächst deutlich
    Quelle: Bloomberg; Stand: 9. November 2021.
  • Neuemissionen lauten vorwiegend auf Euro

    Neuemissionen lauten vorwiegend auf Euro
    Quelle: Bloomberg; Stand: 9. November 2021.

Abgrenzbare Projekte und ein mehr an Transparenz

Während Grüne Anleihen seither ein stark wachsendes Marktsegment bilden, folgten wenige Jahre später Social sowie Sustainability Bonds. Letztere machen beide einen steigenden Anteil am Emissionsvolumen nachhaltiger Anleihen aus, werden aber vor allem von staatsähnlichen Institutionen wie Förderbanken aufgelegt und noch kaum von Unternehmen. Allen drei Typen ist gemein, dass die eingeworbenen Mittel für spezielle Projekte verwendet werden, über die das Unternehmen Rechenschaft ablegen muss. Dies können klar abgrenzbare nachhaltige Projekte sein: zum Beispiel eine Beteiligung an der Stromproduktion aus erneuerbarer Energie zur Senkung des eigenen Treibhausgas-Ausstoßes oder eine Verbesserung der Umweltbilanz in Produktionsprozessen oder Lieferketten.

Anders ist dies bei einem seit 2019 aufgekommenen Anleihe-Typ, dem Sustainability-Linked Bond (SLB): Über einen solchen werden Gelder in Projekte investiert, die zur Erreichung unternehmensweiter nachhaltiger Ziele (Sustainability Performance Targets) dienen und für die bestimmte Schlüsselgrößen (Key Performance Indicators, KPIs) erreicht werden müssen. Werden diese KPIs nicht innerhalb des bei der Auflage festgesetzten Zeitraums erreicht, wird das Unternehmen für seine Nachlässigkeit „bestraft“, indem es einen höheren Zinskupon (Step-up) an die Investoren zahlen muss (vgl. Grafik). Die Fortschritte im Erreichen der KPIs werden dabei regelmäßig durch einen Wirtschaftsprüfer testiert.

Für Anleger bieten diese unterschiedlichen Anleihen interessante Beteiligungsmöglichkeiten. Anlagegelder, die in nachhaltige Bonds investiert werden, fließen nicht einfach in einen Sammeltopf für unternehmerische Zwecke, sondern werden bei Grünen Anleihen, Social Bonds oder Sustainability Bonds zielgerichtet eingesetzt. Bei Sustainability-Linked Bonds werden sie zwar für allgemeine Unternehmenszwecke verwendet, sind aber verknüpft mit Nachhaltigkeitszielen. Bei Green, Social und Sustainability Bonds kaufen sich die Anleger über die mit den Anleihen verknüpften Emissions-Bedingungen auch Transparenz über die Mittelverwendung ein. Bei SLBs wird Transparenz über das nachhaltige unternehmerische Handeln eingekauft. Die Emittenten haben sich im Rahmen der Anleiheemission verpflichtet, regelmäßig darüber Rechenschaft abzulegen, wie sie die eingeworbenen Gelder einsetzen und in welchem Umfang etwa CO2-Einsparungen erreicht wurden.

Einordnung der nachhaltigen Themenanleihen

Einordnung der nachhaltigen Themenanleihen
Quelle: ICMA/ Union Investment.

Anhaltend hohe Nachfrage

Aufgrund der starken Nachfrage nach solchen Anleihen hat sich bei Grünen Staatsanleihen ein Preisaufschlag am Markt etabliert. Das heißt, Grüne Anleihen werden gegenüber konventionellen Anleihen mit einem Aufschlag gekauft – dem „Greenium“. So werden etwa Grüne Bundesanleihen höher gehandelt als die entsprechenden konventionellen Bundesanleihen. Union Investment erwartet, dass das Greenium nicht so schnell verschwindet. Das – steigende, aber begrenzte – Angebot von Grünen Anleihen und die ungebrochen hohe Nachfrage nach nachhaltigen Papieren werden kaum so schnell ins Gleichgewicht kommen. Hinzu kommt, dass etwa die Europäische Zentralbank (EZB) bei ihren Anleiheankäufen ebenfalls einen stärkeren Fokus auf Nachhaltigkeit legen will und so das Ungleichgewicht zu Lasten der nachhaltigen Investoren eher noch verschärfen dürfte.

Transformation durch Sustainability Linked Bonds

Für risikofähige Anleger können dabei Sustainability-Linked Bonds einen Blick wert sein. SLBs bieten im Markt für nachhaltige Anleihen überdurchschnittlich viele Hochzinspapiere sowie Emittenten aus Schwellenländern und aus Europa. SLBs sind insbesondere für kleinere und mittelgroße und bisher wenig nachhaltige, also „braune“ Unternehmen eine Möglichkeit, Mittel aufzunehmen, um ihre „grüne“ Transformation zu finanzieren. Eine genaue Bewertung des Unternehmens und der Glaubwürdigkeit der durch den SLB ausgedrückten Transformation ist dabei unerlässlich. Aufgrund ihrer Größe haben SLB-Emittenten meist weniger Spielraum, um gezielt einzelne nachhaltige Projekte zur Finanzierung, etwa über eine Grüne Anleihe, anbieten zu können.  Auch haben sie oft nicht die notwendigen Ressourcen, um standardisierte Emissionen für einzelne Projekte vorzunehmen. Ein Kritikpunkt an SLBs ist allerdings, dass die Basis nicht standardisiert ist. So werden Treibhausgas-Reduktionsziele auf unterschiedliche Ausgangsjahre hin gerechnet. Es macht natürlich einen Unterschied, ob ein Treibhausgas-Ausstoßziel von der Basis 2011 oder 2013 aus gerechnet wird.

Trotz solcher Kritik hat der SLB-Markt durch die Schaffung des SLB-Standards von der International Capital Market Association (ICMA) im Jahr 2020 sowie durch die Aufnahme in den Sicherheiten-Katalog der EZB im September 2020 einen rasanten Auftrieb erhalten. Union Investment rechnet mit einem weiteren kräftigen Wachstum. „Es ist eigentlich nicht nachzuvollziehen, warum langfristig nicht alle Unternehmen ihre Anleihen als SLBs emittieren sollten und warum heute noch konventionelle Anleihen begeben werden“, sagt Michael Kobel, Fondsmanager bei Union Investment. „Denn jedes Unternehmen, das sich ein Klimaziel gibt, kann eigentlich jede Mittelverwendung unter dieses Ziel einordnen“.

So hat sich etwa die Deutsche Telekom als Dickschiff inzwischen auch den Rahmen für SLBs gegeben. Union Investment ermuntert Unternehmen im aktiven Dialog, vermehrt nachhaltige Anleihen zu emittieren, um eine grüne Transformation finanzieren und vorantreiben zu können. Eine aktive Auswahl ist dabei notwendig, um vordefinierte Nachhaltigkeitskriterien zu erfüllen. Werden SLBs in nachhaltige Produkte gekauft, kommen ESG-Filter zum Einsatz. Denn es gibt aus ESG-Sicht große Unterschiede in der Qualität der Emittenten. Dabei ist eine enge Begleitung der Unternehmen sowie die genaue Analyse der Rechenschaftsberichte angezeigt, um die gewünschten Transformationseffekte zu bewirken.

Hinzu kommt, dass eine aktive Auswahl Bewertungsunterschiede bei nachhaltigen Anleihen berücksichtigen kann. So werden derzeit Anleihen mit einem hohen ESG-Score (also einer vergleichsweise überdurchschnittlichen Nachhaltigkeits-Einstufung) höher bewertet als konventionelle Anleihen. Bei anderen Faktoren wie etwa dem CO2-Ausstoß ist dies jedoch noch nicht der Fall. Das zeigt im Übrigen, dass allein über simple Ausschlusslisten kein optimales Anlageergebnis zu erwarten ist. „Es braucht einen nach vorne gerichteten Ansatz, also wie in fünf Jahren heute etwa bezüglich CO2-Ausstoß messbar schlecht abschneidende Unternehmen aussehen“, sagt Fondsmanager Michael Kobel. Wichtig dabei ist, dass dies sorgfältig und in Abstimmung mit Kundenwünschen und Kundenrestriktionen geschieht.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
12. November 2021, soweit nicht anders angegeben.