Erfreulicher Jahresauftakt für Unternehmensanleihen

Unternehmensanleihen haben sich nach einem schwachen vierten Quartal erholt. Vor allem die geldpolitische Kehrtwende der US-Notenbank Fed hat zur Beruhigung der Märkte beigetragen. Auf kurze Sicht bleiben die Aussichten positiv.

Das vierte Quartal 2018 war bis in die erste Januarwoche hinein von deutlichen Kursabschlägen bei risikotragenden Anlageklassen wie Aktien, Unternehmensanleihen und Schwellenländer-Papieren gekennzeichnet. Staatsanleihen aus den Industrieländern erfreuten sich hingegen als sichere Häfen einer hohen Nachfrage. Die Anleger an den Kapitalmärkten waren sichtbar verunsichert. Folgende Gründe standen dabei im Vordergrund: die Abschwächung des globalen Wirtschaftswachstums und der Handelsstreit zwischen den USA und China. Dazu gesellte sich die US-Haushaltssperre. Gleichzeitig führte die US-Notenbank Fed ihren Zinserhöhungskurs unbeirrt fort und erhöhte ihren Leitzins im Dezember erneut um 25 Basispunkte, wodurch sich die Zahl der US-Zinsschritte in 2018 auf vier summierte. Europa steht weiter vor der ungelösten Brexit-Frage und zahlreichen länderspezifischen wirtschaftspolitischen Herausforderungen. In diesem Zusammenhang sind der italienische Budgetentwurf, die französischen Gelbwesten-Proteste und die Probleme der deutschen Autoindustrie zu nennen.

Umso mehr erstaunt es, dass seit dem Beginn der zweiten Januarwoche die Märkte eine Kehrtwende hingelegt haben. Die Stimmung hat sich spürbar aufgehellt, Risiko-Assets sind wieder gefragt. Die globalen Aktienbörsen konnten sich um etwa zehn Prozent erholen und in den Kreditmärkten – sowohl im Investment Grade- als auch im High Yield-Bereich – haben sich die Risikoaufschläge (Spreads) wieder deutlich eingeengt.

Renditen wieder rückläufig

Rendite 10-jähriger Staatsanleihen
Renditen wieder rückläufig
Quelle: Thomson Reuters Datastream, Union Investment. Stand: 24. Januar 2019

Gleichzeitig hat die Rendite von zehnjährigen US-Treasuries wieder die Drei-Prozent-Marke nach unten durchstoßen. Noch im November lag sie bei drei Prozent. In Europa ist die Rendite von Bundesanleihen ebenfalls auf dem Rückzug, da sich hier die Abkühlung der europäischen Wirtschaft widerspiegelt.

US-Notenbank hat moderateren Ton angeschlagen

Was ist passiert, dass die Stimmung so deutlich gedreht hat? Bislang ist keines der geopolitischen Probleme nachhaltig gelöst, im Handelsstreit gibt es lediglich erste Hinweise auf eine Einigung zwischen den USA und China. Aber die US-Notenbank hat ihre Tonlage geändert. Bis zum Jahreswechsel waren die wichtigsten Vertreter der Fed noch recht falkenhaft gestimmt. Sie hielten hartnäckig an ihrer positiven Einstellung zur US-Konjunktur und somit an ihrem Kurs weiterer Zinserhöhungsschritte auch für 2019 fest. Doch dann änderte sich plötzlich der Ton: Fed-Chef Powell erklärte kurz nach Neujahr, dass sich das US-Wirtschaftswachstum abkühle und die Notenbank nun doch stärker auf die aktuelle Datenlage achten würde, bevor sie den nächsten Zinsschritt mache. Die Fed sei geldpolitisch nicht auf einen Weg festgelegt und würde geduldig abwarten, wie sich die Wirtschaft entwickelt.

Daraufhin atmeten die Märkte auf. Die Gefahr, dass die Fed mit ihren Zinserhöhungen sozusagen im Blindflug zu weit gehen und die globale Wirtschaft abwürgen könnte, ist spürbar gesunken. In der Folge kam es weltweit zu einer deutlichen Erholungsbewegung an den Aktienbörsen, aber auch bei Schwellenländer- und Unternehmensanleihen. Investment Grade-Titel zeigten seit Jahresanfang per 24. Januar eine Performance von 0,4 Prozent, Nachrangpapiere von 1,6 Prozent, High Yield-Titel von 1,5 Prozent und CoCos sogar von 2,7 Prozent.

Erholung seit Jahresbeginn nach Korrektur 2018

Indexierte Wertentwicklung ICE BofA ML-Indizes
Erholung seit Jahresbeginn nach Korrektur 2018
Quelle: Bloomberg. Stand: 24. Januar 2019

Die Angst vor kräftig anziehenden Zinsen ist vorerst gewichen. Damit nimmt auch die Attraktivität von höherverzinslichen Papieren zu. Seit den Renditetiefs vom Frühjahr 2018 sind deren Renditen und Spreads vor allem in den letzten Monaten von 2018 wieder auf attraktive Niveaus gestiegen. Beispielsweise liegt der Spread des breit gefassten ICE BofA Merrill Lynch Euro Corporate-Index aktuell wieder bei 102 Basispunkten. Das ist nahezu das Dreifache des Stands von vor einem Jahr (35 Basispunkte). Bei diesen verbesserten Konditionen und Perspektiven sind die Investoren auch bereit, wieder in Segmente mit höheren Risiken einzusteigen.

Höhere Spreads machen Unternehmensanleihen wieder attraktiver

Risikoaufschläge Euro-Investment Grade-Corporates (ER00)
Höhere Spreads machen Unternehmensanleihen wieder attraktiver
Quelle: Bloomberg. Stand: 24. Januar 2019

Zurzeit übertrifft die Nachfrage nach Credits das Angebot

Seit ein paar Wochen sind Unternehmensanleihen wieder gefragt. Die hohe Nachfrage trifft im Investment Grade-Segment auf eine ordentliche, aber dennoch begrenzte Anzahl von Neuemissionen, während im High Yield-Bereich dieses Jahr kaum etwas an den Markt kam. Hier gab es bislang nur eine Platzierung von Telecom Italia und eine Aufstockung einer bestehenden Emission. Insgesamt wurden am europäischen Credit-Markt seit Jahresstart etwa 26 Milliarden Euro platziert. Die durchschnittliche Emissionsprämie von 20 Basispunkten fiel fair aus. Da viele Marktteilnehmer noch vor Kurzem short positioniert waren, kam durch den Stimmungsumschwung deutlicher Kaufdruck auf. So sind die Emissionen zurzeit stark überzeichnet, bei Zuteilungsquoten von lediglich 20 bis 30 Prozent. Beispielsweise war die Nachfrage nach dem jüngsten VW-Bond dreimal höher als das Emissionsvolumen. Entsprechend liegen auch fast alle Papiere, die seit November 2018 neu an den Markt kamen, aktuell im Plus. Denn im Oktober und November letztes Jahres waren die Renditen so kräftig angestiegen, dass die ersten Käufer wieder zugriffen. Die einzigen Neuemissionen, die seitdem im Minus liegen, sind Telecom Italia und General Motors. Deren Abschläge sind aber überschaubar.

Mit Blick auf die durchschnittliche Bonitätsbeurteilung des Credit-Marktes lässt sich feststellen, dass in den vergangenen Jahren der Anteil an Papieren mit BBB-Rating stark gestiegen ist. Dieser liegt beispielsweise beim ICE BofA Merrill Lynch Euro Corporate-Index zurzeit bei rund fünfzig Prozent. Das bedeutet, dass sich die Kreditqualität der im Index enthaltenen Anleihen tendenziell verschlechtert hat. Die Verschuldung der Emittenten ist gestiegen, und dieser Trend ist in den USA sogar noch ausgeprägter als in Europa. Bei einer Verschlechterung der gesamtwirtschaftlichen Lage besteht somit mittelfristig die Gefahr, dass mehr Anleihen aus dem schlechtesten Investment Grade-Segment in den High Yield-Bereich abrutschen und auch die Kreditausfälle zunehmen. Doch die Investoren nehmen gegenwärtig höhere Rating-Risiken in Kauf und investieren auch wieder verstärkt in High Yield-Titel. Denn mit Blick auf die letzten dreißig Jahre hat sich gezeigt, dass selbst im schlechtesten Betrachtungszeitraum die Ausfallrate im BBB-Segment nur bei 2,5 Prozent lag.

Ausblick: Anhaltend gute Rahmenbedingungen für Credits

Obwohl das Wirtschaftswachstum weltweit an Momentum verliert, sehen wir keine Rezessionsgefahren. Die Wachstumsraten bleiben im positiven Bereich. Für die Kreditmärkte können sich in einem Umfeld mäßigen Wachstums bei einem gleichzeitig stabilen Zinsniveau sogar wieder attraktive Anlagechancen eröffnen. Es besteht zwar immer noch die Gefahr, dass Rezessionsangst am Markt aufkommt, doch sollte diese durch die starken Spreadausweitungen der letzten Monate abgefedert sein. Die Spreads liegen zurzeit deutlich höher als zu Beginn des vierten Quartals 2018. Sowohl das technische als auch das fundamentale Bild stellen sich positiv dar. Mit dem vielversprechenden Start im Januar ist eine gute Basis für 2019 gelegt. Investoren können deshalb mit moderaten, leicht positiven Zuwachsraten rechnen.

 

Stand aller Informationen, Erläuterungen und Darstellungen:
28. Januar 2019, soweit nicht anders angegeben.